Die Bundesgartenschau als Paradebeispiel für gelebte Nachhaltigkeit in Mannheim

  • Jennifer Sior

Ein Interview mit Michael Schnellbach, Geschäftsführer der BUGA 23

„Beste Aussichten“ lautet das Motto der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim – Was ist die Idee dahinter?

Seit 1951 gibt es alle zwei Jahre in verschiedenen Städten in Deutschland eine Bundesgartenschau. Sie bieten Inspiration und kreative Anregungen für den heimischen Garten oder Balkon. Dabei stehen neben den vielfältigen Beeten und Themengärten auch Veranstaltungen, Bildungsprogramme sowie Erlebnis-Orte im Vordergrund. Zugleich sind Bundesgartenschauen aber auch über mehrere Jahre andauernde Planungsprozesse für Freiräume, Grün- und Stadtentwicklung. Seit den 2000er Jahren werden aus Brachflächen oder ehemaligen Industrielandschaften durch Umwandlungsmaßnahmen in Bezug auf die Konversionsflächen und Renaturierungen neue Naherholungsgebiete geschaffen. Die dabei entstehenden Sport-, Spiel- und Freizeitangebote unterstützen den regionalen Strukturwandel, die Stadt- und Regionalentwicklung und verbessern langfristig unsere Lebensqualität. Für die Realisierung des Grünzugs Nordost, der für das Klima der Stadt sowie für Wohnen und Erholen in Mannheim von großer Bedeutung ist, leistet die BUGA 23 einen wichtigen Beitrag. Eine sich über sieben Kilometer erstreckende, zusammenhängende Grünfläche schafft neue Aufenthaltsmöglichkeiten und verbessert das Stadtklima. Mannheim wird so noch grüner. “Beste Aussichten“ also!

Die BUGA 23 soll die nachhaltigste Bundesgartenschau aller Zeiten werden – ein ehrenwertes und ehrgeiziges Ziel. Wie setzen Sie das konkret um?

Es gibt zwei Veranstaltungsorte. Der Luisenpark ist ein alter Park, dessen erster Bauabschnitt bereits 1894 eröffnet wurde. Seither wurde der Luisenpark immer wieder erweitert, auch für die BUGA 1975. Jetzt erfährt das Gelände wieder eine Aufwertung. Das in Luftlinie etwa zwei Kilometer entfernte Spinelli-Gelände ist eine ehemalige Militärkaserne. Umweltfreundliches Transportmittel zwischen beiden Parks wird eine Seilbahn sein. Das BUGA 23 Gelände wird ausschließlich mit Ökostrom versorgt, die Caterer verwenden regionale Produkte, die Papierhandtücher auf den Toiletten werden dem Recyclingkreislauf zugeführt. Überall werden Materialien wiederverwendet. Auch im Grünzug Nordost wird nicht nur neu gebaut, sondern auch sehr viel zurück gebaut. Knapp sechzig Prozent der Spinelli-Fläche sind durch den Abriss von Gebäuden und Entfernung von Straßen aus Betonplatten entsiegelt worden. An beiden BUGA-Geländen gibt es keine Parkflächen für Privatautos. Alle Besucher werden zum Maimarktgelände geleitet. Dort stehen Shuttlebusse bereit. Idealerweise reisen Besucher mit dem öffentlichen Nahverkehr an, der im Tagespreis inkludiert ist, es wird eine extra Straßenbahnlinie mit enger Taktung vom Hauptbahnhof nach Feudenheim geben. Natürlich wird auch für genügend Fahrradabstellplätze und Leihräder gesorgt.

Welche zukunftsrelevanten Fragen stehen im Rahmen der BUGA 23 im Vordergrund und wie werden sie thematisiert?

Die BUGA 23 und ihre Inhalte sind den vier Leithemen Klima, Energie, Umwelt und Nahrungssicherung untergeordnet. Das heißt, alle Ausstellungsbeiträge beschäftigen sich mit diesen Themen. Das beginnt bei den Zukunftsbäume, 2023 an der Zahl, die auf dem Gelände gepflanzt werden und dort wie in einer Baumschule anwachsen und nach der BUGA 23 auf die Stadt verteilt werden. Es werden beispielsweise klimaresistente und insektenfreundliche Rosen gezeigt und die Ausstellungsbeitrage im Rahmen des Experimentierfeldes beschäftigen sich mit den Möglichkeiten einer nachhaltigen Zukunft.

Welche interaktiven Möglichkeiten sind für Besucher*innen der BUGA, die sich für das Thema „Nachhaltigkeit“ interessieren, geplant?

Besonders im Campus-Bereich werden Besucher*innen aller Altersklassen die Möglichkeit haben, sich bei Themenführungen oder Workshops mit Themen wie nachhaltigem Konsum, Gemüse retten oder Heilpflanzen auseinanderzusetzen. Aktivität ist aber auch beim Ausstellungsbeitrag „Pee-power“ gefragt. Hier wird aus Urin Energie gewonnen und der soll natürlich von den Besucher*innen kommen. Solche Beiträge wird es einige geben.

Blicken wir einmal in die Zukunft, die Zeit nach der Bundesgartenschau: Wie wird das Gelände weiterhin nachhaltig genutzt werden?

Das Bundesgartenschaugelände „Spinelli Barracks“ zwischen Feudenheim und Käfertal wird Freiraum für das Klima und vereint sich mit der Feudenheimer Au zum Grünzug Nordost. Der über dem Au-Gewässer entstehende Panoramasteg bleibt natürlich. Von der Bundesgartenschau Mannheim 2023 bleibt vor allem ein neuer Naturraum, der Tieren und Insekten Artenvielfalt ermöglicht und den Menschen eine ideale Verbindung aus Wohnen, Arbeiten, Freizeitgestaltung und Erholung bietet. Es bleiben aber auch die umgebaute U-Halle, in der es weiterhin Gastronomie geben soll, die Spiel- und Bewegungsgeräte in der Parkschale und natürlich bleibt die neue Parkmitte im Luisenpark ebenfalls bestehen.

 

14. April – 08. Oktober 2023 / Bundesgartenschau Mannheim

Ab 14. April 2022 / Vorverkauf von Dauerkarten

www.buga23.de