3 Fragen an… Kerstin Klode – Veranstaltungssicherheit

  • Jennifer Sior

Das Thema Sicherheit im Veranstaltungsbereich, wird eigentlich immer präsenter, trotz allem schenken ihm viele Veranstalter noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die es eigentlich bräuchte. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Zunächst erfordert es eine gewisse Kenntnis und Erfahrung festzustellen, welche Maßnahmen für die Sicherheit bei einer Veranstaltung erforderlich sind. Hierzu müssen die Veranstalter sich ständig fortbilden und informieren. Das kann sehr aufwendig sein, wenn wir z.B. an die ständig ändernden Corona-Verordnung im letzten Jahr denken.

Ein weiterer Aspekt ist sicher auch, dass Sicherheit in der Regel mit Kosten und Personalaufwand verbunden ist und der Aufwand natürlich so minimal, wie nur möglich gehalten werden soll. Außerdem ist es schwer einzusehen, dass bestimmte Dinge erforderlich sind, wenn ja noch nie etwas passiert ist. Es müsste aber genau umgekehrt gedacht werden ja genau umgekehrt gedacht werden, was muss ich machen damit nichts passiert! Sehr viele Veranstaltungen werden auch durch Laien durchgeführt, die meist keine Vorstellung haben, was es z.B. bedeuten würde mit mehrere hundert Besucher aus einer Versammlungsstätte zu räumen. Sie sind sich nicht bewusst, welche Gefährdungen von der Veranstaltung ausgehen können. Sicherheit ist ein unangenehmes Thema, die Maßnahmen, die ein Veranstalter für die Sicherheit ergreift, sind dem Besucher oft gar nicht bewusst oder sind für ihn nicht sichtbar. Daher ist es auch schwer hierfür Mittel einzuplanen, denn Sicherheit kostet Zeit und Geld. Dem Besucher fällt mangelnde Sicherheit erst auf, wenn etwas passiert da bestimmte Maßnahmen nicht umgesetzt worden sind.

Sicherheitskonzepte – „notwendiges Übel“ oder „essenzieller Veranstaltungsteil“?

Ohne die Beschäftigung mit dem Thema Sicherheit können keine Veranstaltungen durchgeführt werden. Von einem Sicherheitskonzept wird meist erst ab 5.000 Besuchern gesprochen, oder wenn z.B. die untere Baubehörde oder das Ordnungsamt aus anderen Gründen als der Besucherzahl ein entsprechendes Sicherheitskonzept fordert. Der Betreiber ist aber immer für die Sicherheit und die Einhaltung der Vorschriften in seiner Versammlungsstätte verantwortlich. Ob er dies unter 5.000 Besucher „Veranstaltungsorganisation“, oder „Gefährdungsbeurteilung“ oder auch ganz anders nennt, ist dabei vollkommen unerheblich. Im Ergebnis wird es immer darauf hinauslaufen, dass Gefährdungen erkannt und dann geeignete Maßnahmen ergriffen werden müssen. Hierfür müssen entsprechende Ressourcen (Geld, Personal und Zeit) zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muss kontrolliert werden, ob die Maßnahmen umgesetzt werden und wirksam sind. Das ist für jede Veranstaltung erforderlich, unabhängig davon, ob von behördlicher Seite ein Sicherheitskonzept gefordert wurde. Das sich hier immer wieder neue Aspekte ergeben, die betrachtet werden müssen, haben wir aktuell bei der Corona-Pandemie erlebt. Hier konkrete Hygienekonzepte erstellt. Diese sind dann ein Bestandteil eines Sicherheitskonzeptes und haben konkrete Auswirkungen z.B. auf das Konzept für den Ordnungsdienst und andere Bereiche.

Warum ist es so wichtig, dass ein Sicherheitskonzept veranstaltungsbezogen erstellt wird und nicht nur Location-bezogen?

Meiner Meinung nach sind beide Aspekte wichtig. Zunächst sollten bestimmte Rahmenbedingungen auf Grund der baulichen Vorkehrungen definiert werden. Viele Dinge ergeben sich hier z.B. aus dem Brandschutzkonzept oder der Baugenehmigung für die Versammlungsstätte. Dies wären z.B. die höchstzulässige Besucherzahl auf Grundlage der Raumgrößen, manchmal auch auf Grundlage der Rettungswege oder der Leistungsfähigkeit der Lüftungsanalagen. Dann sind andere bauliche Dinge, wie Traglasten, etc. zu berücksichtigen. Solche Dinge bleiben in der Regel bestehen. Für jede Veranstaltung muss dann aber das entsprechende Konzept individuell angepasst werden. Hier sind vor allem die Art der Besucher (alt, jung, mobilitätseingeschränkt, aggressiv, etc.) zu berücksichtigen. Daneben ist auch die Art der Veranstaltung entscheidend. Ein Vortrag hat andere Risiken als eine Messe oder ein Popkonzert. Besonders schwierig wird es, da sich alle Faktoren untereinander beeinflussen können. So ist eine Messe in einer Messehalle relativ unproblematisch in einem Bürgerhaus oder eine Sporthalle jedoch schon wieder kritisch zu betrachten. Deshalb muss der Betreiber seine grundsätzlichen Spielregeln für seine Veranstaltung festlegen und dann muss man die Veranstaltung noch einmal im Detail betrachten. Ein Sicherheitskonzept muss daher die baulichen Gegebenheiten und die Veranstaltungskonzeption berücksichtigen.

Über die Dozentin:

Seit 2004 ist Kerstin Klode selbständig und berät bundesweit Betreiber von Versammlungsstätten. Hier liegt der Schwerpunkt auf Betreibern, deren Hauptaufgabe nicht der Betrieb einer Versammlungsstätte ist, wie z.B. Schulverwaltungsämter, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, Kliniken, Museen, etc. Die Beratung betrifft überwiegend Fragen der Umsetzung der Versammlungsstättenverordnung im Hinblick auf die Organisation der Versammlungsstätte allgemein, den Personaleinsatz und Abwicklung von Vermietungen. Außerdem leitet sie Seminare und Workshops für Führungskräfte und sachkundige Aufsichtspersonen in Versammlungsstätten.

In unseren Seminaren Veranstaltungsplanung, aber sicher! am 23.09.2021 sowie Betreiberverwantwortung und Delegation am 24.09.2021 möchten wir Ihnen aufzeigen wie wichtig es ist, den Sicherheitsaspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Sie werden anhand praxisnaher Beispielen sehen, wie die Versammlungsstätte richtig angewendet wird und was für Sie als Betreiber, aber auch als durchführende „Gewalt“ zu beachten ist.

Unter www.ieca-mannheim.de finden Sie das kompletten Seminarprogramm der IECA. Unter anderem auch weitere Seminare aus dem Bereich „Sicherheit“.

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