3 Fragen an… Steffen Ronft – Eventpsychologie

  • Jennifer Sior

Welches konkrete Ziel verfolgt die Eventpsychologie und welchen Nutzen hat der Eventmanager davon?

Es geht darum Veranstaltungen mit psychologischen Erkenntnissen zu optimieren. Und das aus vielerlei Hinsicht: Zum einen für den Event-Teilnehmenden, das Besuchererlebnis zu verbessern, zum anderen aber auch für den Veranstalter, um eine höhere Effizienz und Wirksamkeit bei seinen Konzepten zu erzielen. Das Ganze erstreckt sich über die verschiedensten Veranstaltungsformate, wie im Bereich Kultur, z.B. Konzerte, aber auch im Marketing bei Messen oder Corporate Events oder im Bereich der Wissensvermittlung bei Konferenzen, Workshops und Seminare. Und es gilt letztlich immer, die Wirksamkeit für den Teilnehmer steigern zu können.

Der Nutzen für Eventmanager*innen besteht im Grund darin, dass man viele Fettnäpfchen umgehen kann. Man kann auf das bestehende Wissen aufbauen. Zum einen aus dem Bereich Eventmanagement und -forschung, aber auch aus dem Bereich Psychologie. Hier gibt es eine sehr große Lücke zwischen dem was die theoretischen Kenntnisse angeht, dem was schon erforscht ist und dem was letztlich angewendet wird. Es lässt sich also ein deutlich effektiveres Eventmanagement betreiben, in dem man auf mehr, als auf dem eigenen Erfahrungswissen aufbaut.

 

Welche Expertisen vereinen sich unter dem Begriff der Eventpsychologie?

Zum einen die Erkenntnisse aus der Eventforschung, welche einen starken Marketing Bezug darstellt und betriebswirtschaftlich geprägt ist. Es geht häufig um Kommunikationswirkungen, vorrangig aus dem Bereich der Corporate Veranstaltungen. Zum anderen gibt es unterschiedlichste psychologische Disziplinen, wie die Wahrnehmungspsychologie, die Wirtschaftspsychologie oder auch die Sozialpsychologie, die sich in den Veranstaltungsbereich übertragen lassen. Und auch die Mischformen, wie das Neuromarketing, das sich neurologischen Erkenntnissen bedient, um z.B. im Marketing spezielle Modelle zu entwickeln. Auch aus diesem Bereich lassen sich ganz viele Erkenntnisse ins Eventmanagement transferieren.

 

Wie steht es in Zeiten der immer stärker voranschreitenden Digitalumsetzung von Events? Welche Parameter können auch in diesem Kontext herangezogen werden?

Hier gibt es vor allem zwei wichtige Informationsquellen: Die Wahrnehmungspsychologie und die Sozialpsychologie. Denn letztlich geht es bei der Durchführung von Veranstaltungen darum, was eine Person wahrnimmt und wie sie mit anderen Personen (inter)agieren kann, unabhängig davon wo die Veranstaltung stattfindet. Letztlich wird man aber bei den digitalen Formaten auf zwei Sinne reduziert, das Sehen und das Hören. Alles andere ist eigentlich außen vor, wie fühlen, riechen oder schmecken. Das muss man sich klar machen, und man muss sich darauf besinnen, was die Besonderheit der Veranstaltung ist und wie man diese transportieren möchte.

Beispiel, um trotzdem ein haptisches Erlebnis zu schaffen könnte sein, ein Vorab-Paket zu schicken, das zum Content der Veranstaltung passt und den Teilnehmenden so noch stärker mit einbezieht.

Aus dem Bereich der Sozialpsychologie weiß man, dass Menschen davon leben, dass die Emotionen von anderen widergespiegelt werden, also Mimik & Gestik. Das muss man zwingend bedenken. Bedeutet, nicht nur Frontalansicht von Speakern, sondern das Publikum sichtbar machen, bei Hybrid-Formaten beispielsweise die Reaktionen des Publikums vor Ort zeigen. Im rein digitalen Format könnten es Zuschaltungen einzelner Personen sein, Interaktivität durch Chatmöglichkeit, Fragerunden oder Votings. Es ist wichtig, aus den Teilnehmenden nicht nur Zuschauende zu machen, sondern Teilnehmende!

 

Über den Dozenten:

Steffen Ronft ist Hochschuldozent für Marketing und Psychologie sowie an Weiterbildungsinstituten für Professionals tätig. Darüber hinaus ist er Autor, Berater und Speaker. Sein besonderer Interessens- und Forschungsschwerpunkt liegt in der Verknüpfung von Psychologie und betriebswirtschaftlichem Managementwissen, welche er auch im Rahmen seiner Dissertation in Wahrnehmungspsychologie weiter vorantreibt. Als Herausgeber des Standardwerks „Eventpsychologie“ gilt er als Wegbereiter dieses interdisziplinären Ansatzes und wurde hierfür mit dem MICE Innovation&Trend Award 2020 ausgezeichnet.

 

Am 21.06.2021 haben Sie die Möglichkeit im zweiten Teil unserer Web-Seminar-Reihe „Eventpsychologie kompakt“ einen Teilbereich „Behavior Patterns“ kennen zu lernen und erste Erkenntnisse für die Optimierung Ihrer Veranstaltung mit zu nehmen. Im 2. Halbjahr folgt der 3. Teil „Neuromarketing“ sowie ein Ganztagesseminar am 22.10.2021, in dem Sie sämtliche Kniffe und Tricks anhand von zahlreichen Praxisbeispielen vermittelt bekommen. Und das besondere Highlight in diesem Jahr ist der Eventpsychologie Labortag, am 23.10.2021, in dem Sie selbst einmal ausprobieren können, wie sich Licht und Geruch beispielsweise auf Ihre Wahrnehmung auswirken.

 

Das von Steffen Ronft 2021 herausgegebene Sammelwerk „Eventpsychologie – Veranstaltungen Wirksam optimieren. Grundlagen, Konzepte, Praxisbeispiele“ bündelt das Wissen von 60 Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zu verschiedenen eventpsychologischen Themenbereichen und vertieft die jeweiligen Seminarinhalte.

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